In erster “Linie” denkt man bei diesem Thema: “Linien??? Was haben die denn mit Fotografie zu tun???” Aber in den meisten guten und interessanten Fotos sind Linien zu finden, die zwar angedeutet und indirekt sind, aber trotzdem den Blick des Betrachters durch das Bild leitet.
Linien stellen z.B. eine Verbindung zweier Objekte her. Deshalb ist die Linienführung (oder auch Gestaltung der Bildaussage mit Linien) für das Bild auch eins der wichtigsten Gestaltungsmittel. Bilder in denen die Linienführung falsch angewandt wird, wirken oft langweilig, komisch oder falsch. Linien sind so etwas wie Abgrenzungen für die Augen oder eine Spur an denen der Betrachter entlang geführt wird. Wenn Sie es also schaffen eine geschlossene Linienführung in ihrem Bild herzustellen, wird der Betrachter der Linie folgen und trotzdem im Bild bleiben.
Hier z.B. gibt es eine unterbrochene oder sogar aus dem Bild laufende Linienführung. Der Blick des Modells lässt die Linie entstehen und führt den Blick des Betrachters aus dem Bild raus. Es ist nicht verboten Linien so zu setzen aber man muss damit rechnen, das der Betrachter seinen Blick am Bildrand verliert. So etwas kann also auch bewusst gemacht werden. Das angewinkelte Knie, mit dem darauf liegenden Arm wiederum bilden, über die Hüfte und die Schulter, eine geschlossene Linienführung.
Direkte Linien sind entweder durch einen Gegenstand oder Objekt im Bild vorhanden, z.B. in Form eines fotografierten Hexenzauns. Lange Haare, Körperformen, oder Mauern sind auch gute Beispiele für direkte Linien…man kann sich vorstellen wie viele vorhandenen Linien dort entstehen können.
Indirekte Linien werden wie in dem obigen Bild durch Blicke oder zwei Personen die miteinander sprechen, zwei Fußballspieler, die sich gerade den Ball zuspielen, also durch indirekte Linien, künstlich geschaffen.
Eine Linie kann vollständig im Bild sein, sie muss also ihren Anfangs- und Endpunkt im Bild haben. Eine Linie kann aber auch aus dem Bild raus gehen so ist quasi nur den Anfangspunkt im Bild. Eine Linie kann aber auch Bild- oder Bereichstrennend sein…diese Linie, ob direkt oder indirekt, trennt sozusagen 2 Objekte voneinander, z.B. ist der Horizont so eine Linie…sie ist die Trennung zwischen Himmel und Erde.
Ein Bild in dem die Linien direkt in die Bildecke, oder am Bildrand entlang laufen, wirkt ruhiger und ordentlicher.
Horizontale Linien haben meistens eine feste und stabile Wirkung, sie bringen dem Bild ein festes Fundament und sorgen dafür dass das Bild nicht “fällt” oder “zur Seite kippt.” Der Horizont ist wohl die dominanteste Horizontale Linie die wir kennen…des halb ist bei dieser Linie besonders darauf zu achten das sie nicht schief verläuft, da eine schiefe Horizontlinie für uns Menschen “komisch ” und “ungewohnt” vorkommt. Wenn sie also die Horizontlinie genau in die Mitte setzen stellt sich dem Betrachter die Frage welcher Bildteil der wichtigere ist, was meistens dazu führt dass das Bild undefiniert und somit als “uninteressant” aufgefasst wird. Der Horizont sollte also immer weiter oben oder weiter unten im Bild angesetzt werden…je nach dem was auf dem Bild der wichtiger Teil sein soll.
Vertikale Linien verhalten sich so ähnlich wie Horizontlinien. Sie trennen die Bildinhalte voneinander. Achten Sie also darauf was sie mit ihrem Bild aussagen wollen und wie Sie Ihre Bildaussage mit den verschiedenen direkten und indirekten Linien gestalten. Linien sollten auch niemals gegen die Hauptbildaussage sprechen, sie müssen also im Einklang miteinander sein.
Wir lesen Bilder in etwa so wie unsere Bücher. Hier in Europa z.B. von links nach rechts. So werden meistens auch die Bilder gelesen. Wenn eine diagonale Linie also von links oben nach rechts unten verläuft, signalisiert sie Abwertung, schwäche, oder ähnliches. Wenn sie aber von links unten nach rechts oben wirkt, bringt das den Aufschwung und Kraft.
Ziel der Linienführung ist es also den Blick des Betrachters so zu führen wie er es beim Betrachten auch tun soll…am Besten der Blick verlässt das Bild er gar nicht. So wird das Bild immer interessanter und der Betrachter empfindet das Bild nicht als langweilig.




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